(K)ein Tier unterm Weihnachtsbaum?!

(K)ein Tier unterm Weihnachtsbaum?!

 Ist ein Haustier ein geeignetes Geschenk? Pro und Contra der tierischen Geschenk-Idee.


Katze unter Weihnachtsbaum  / ©  panthermedia.net - Irina Karlova
Auf den ersten Blick scheint ein Hund, eine Katze, ein Meerschweinchen, ein Kaninchen oder ein anderes Haus­tier ja DAS perfekte Weihnachtsgeschenk zu sein. Denn strahlende (Kinder-)Augen, begleitet von Aussagen wie „Och, ist der niiiiedlich!“ oder „Nein, wie süüüß!“, ge­folgt von wilden Knuddelorgien mit dem neuen, tierischen Hausgenossen sind Ihnen bei diesem Geschenk wohl so ziemlich sicher.
Und wer will das schließlich nicht, seine Liebsten mit einem tollen Geschenk überraschen und glücklich machen – und dann auch noch etwas Gutes tun und einem Tier ein neues Zuhause geben! Da ist doch wirklich alles perfekt!

 

Wirklich???

Möglicherweise ist es tatsächlich so. Beschenkte(r) und Tier passen einfach zusammen; die zwei verstehen sich und es entwickelt sich daraus eine lange und glückliche Mensch-Tier-Beziehung zum beiderseitigen Wohlergehen.

Aber was, wenn es nicht passt?
Was, wenn der neue Hausgenosse schon nach kurzer Zeit „anstrengend“ wird oder gar nervt, weil er mehrmals täglich (und bei jedem Wetter!) Gassi gehen will, sein Katzenklo geschrubbt oder sein Hamsterkäfig gereinigt werden muss? Weil er regelmäßig gefüttert werden möchte und hin und wieder vielleicht auch mal zum Tierarzt muss? Weil das Spielen und Herumtoben mit ihm auf Dauer doch nicht so viel Spaß macht, weil man lieber etwas mit den Kumpels oder Freundinnen unternehmen möchte?  Oder vielleicht auch einfach „nur“, weil man eigentlich viel lieber eine Katze statt einem Hund, eine Dogge statt einem Dackel, ein schwarzes statt einem braunen Meer­schweinchen gehabt hätte?

Was, wenn Ihr gut gemeintes Geschenk auf einmal zur Belastung für den Beschenkten wird und es dann abgeschoben und  – vielleicht noch bestenfalls – irgendwo im Tierheim landet??? Leider sprechen die Statistiken der vergangenen Jahre da nur eine allzu deutliche Sprache …    🙁

 

Katze im Weihnachts-Stress  / ©  panthermedia.net - John McAllister

 

Daher:

Bitte überlegen Sie lieber zwei-, oder gar dreimal, ob ein Tier wirklich eine so gute Geschenkidee ist?!  Bitte machen Sie sich dabei bewusst, dass Mensch und Tier zusammenpassen müssen und die artge­rechte Haltung eines Tieres nicht nur Spaß und Freude, sondern auch immer eine große Verantwortung für den neuen Besitzer bedeutet:

  • Ein Haustier macht viel Arbeit und braucht Zeit,  z.B. zum Gassigehen, Spielen und Beschäftigen, Fell bürsten, Käfig reinigen, Füttern, Katzentoilette sauber machen, zum Tierarzt gehen, Wohnung putzen … Und das alles nicht nur, wenn man gerade mal dazu Lust hat, sondern regelmässig über Wochen, Monate und Jahre.
  • Ein Haustier ist „immer“ da. Auch, wenn man in Urlaub möchte oder wenn es einem mal nicht gut geht. Wer kann sich dann um das Tier kümmern und es betreuen?
  • Ein Tier kann im Haushalt für einigen „Wirbel“ sorgen; es kommt schmutzig vom Gassigehen heim, seine Haare liegen überall herum, der Lieblings-Pantoffel des Familienoberhaupts wird gern zum Spielen angeknabbert, die gute Kommode von Omi bekommt ein paar Kratzer ab oder es passiert auch mal ein „kleines Malheur“, das beseitigt werden muss. Können wirklich alle Familienmitglieder damit umgehen?
  • Und nicht zuletzt: Ein Haustier kostet Geld, z.B. für Futter, Pflegemittel, Unterbringung , Tierarzt (Impfungen, Behandlung von Erkrankungen), Versicherungen, (Hunde-)Steuer, …

 

Möchte der Beschenkte all‘ das überhaupt und ist er / sie auch in der Lage, es zu leisten?

Gibt es außerdem einen „Plan B“, falls der Beschenkte doch die Lust an dem Tier und seiner Pflege verliert oder sich die Lebensumstände drastisch ändern., z.B. dass das „Kind“ andere Interessen entwickelt (das soll ja gerade in der Pubertät hin und wieder vorkommen…  😉  oder es zum Studieren wegzieht, oder, oder, oder, …   
Wer übernimmt dann die anfallenden Aufgaben???

Oder gibt es vielleicht sogar noch ganz andere Gründe, die gegen die Anschaffung eines Tieres sprechen, wie z.B. die Tierhaar-Allergie eines Familienmitglieds?

Offensichtlich sind dies alles Fragen und Entscheidung, die Sie intensiv und in aller Ruhe mit dem / der Betreffenden und seiner ganzen Familie besprechen und klären müssen. Aber gerade in unserer turbulenten Weihnachtszeit bleibt für eine tiefer gehende Betrachtung einfach oft zu wenig Zeit – oder wird sogar, wegen dem „Überraschungseffekt“, den ein Weihnachtsgeschenk ja auch mitbringen soll, hinten angestellt …

 

Deshalb unsere große Bitte an Sie:

Wenn Sie schon mit dem Gedanken spielen, ein Tier zu verschenken (oder auch, sich selber Eines anzuschaffen!), tun Sie das bitte NICHT in der hektischen Weihnachtszeit! Lassen Sie sich, dem zu Beschenkenden und seiner Familie Zeit, alles in Ruhe zu besprechen bzw. zu überdenken und treffen sie dann gemeinsam eine Entscheidung, die von (wirklich!) allen getragen wird.

Sind sich dann tatsächlich alle einig, dass – und was für ein – Tier angeschafft werden soll, wählen Sie einen ge­eigneten und „ruhigen“ Zeitraum. So kann sich je­der in der Familie, auch das Tier, mit der neuen Situa­tion vertraut machen. Auch hierfür sind die turbulenten und lauten Weihnachtsfeiertage sicherlich nicht der geeig­nete Zeitpunkt.
Vielleicht denken Sie eher an Frühjahr oder Sommer, wenn z.B. das Herumtollen mit dem neuen „Freund“ im Garten oder das Gassigehen auch vom Wetter her einfach viel mehr Spaß macht und man sich besser aneinander gewöh­nen kann.

 

Und zu guter Letzt denken Sie bitte auch noch einmal darüber nach, woher Sie das neue Tier holen möchten.
In den Tierheimen und den Pflegestellen der Tierschutzvereine sitzen Tausende und Abertausende von Hunden, Katzen und Kleintieren jeder Art, die – oftmals auch als überdrüssig gewordenes „Weihnachtsgeschenk“ einfach abgeschoben – bisher nicht so viel Glück hatten und nun sehnsüchtig auf ein „richtiges“, liebevolles und artgerechtes Zuhause warten…

Wenn Sie all‘ diese Punkte beherzigen, stehen die Chancen wirklich gut, damit allen Beteiligten UND dem Tier eine wirklich große – und langanhaltende! – Freude zu bereiten!    🙂

 

 

Bildnachweis:
Katze unter Weihnachtsbaum  / ©  panthermedia.net – Irina Karlova
Katze im Weihnachts-Stress  / ©  panthermedia.net – John McAllister