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Kastrationspflicht für Freigänger- Katzen

Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen

Kleine kranke Straßenkatze auf einem Tisch / © panthermedia.net - Alberto Rigamonti
Schon seit einiger Zeit berichten wir darüber, wie wichtig es ist, freilaufende Katzen im Sinne des Tier­schutz­es kastrieren zu lassen, um weiteres Tierleid zu verhindern. Auch viele große Tierschutz-Organisationen plädieren schon seit langem für die Ein­führung einer Kennzeichnungs- und Kastrat­ions­pflicht für freilaufende Katzen (s.u.).

Mittlerweile gibt es zwar immer mehr Städte und Gemein­den wie z.B. Paderborn, Delmenhorst, Hildesheim, Essen, Bremen … (die komplette Liste  gibt es hier als PDF – Direktdownload beim Deutschen Tierschutzbund e.V.), die eine entsprechende Kennzeichnungs- und Kastrati­ons­­pflicht in ihren Kommunalverordnungen festgelegt haben. Und sogar ganze Länder, wie z.B. Belgien, haben eine Kastrationspflicht eingeführt.

Aber solange das Ganze nicht wirklich flächendeckend angegangen wird, bleibt das Problem weiterhin bestehen. Um so besser also, dass das Thema derzeit wieder heiß diskutiert wird. Denn solange es noch keine gesetzliche Regelung gibt, können wir hier nur an die Eigenverantwortung jedes einzelnen Tierbesitzers appellieren!

 

Aber um was geht es nun eigentlich?
Und wieso kann hierdurch Tierleid verhindert werden?

 

Unsere derzeitige Situation sieht so aus:

Die Tierschutzheime und -vereine quellen schon seit Jahren mit Katzen über – und jedes Jahr werden dort unzählige weitere, „nicht gewollte“ Katzen abgegeben.

 

Maunzende, kranke Straßenkatze / © panthermedia.net - Fedor Kondratenko
Oder noch schlimmer, die Tiere werden einfach ausge- setzt und vegetieren irgendwo als Streuner vor sich hin. Viele dieser Straßenkatzen leiden unter Hunger, Durst und Krankheiten und sind außerdem völlig schutzlos und damit leider oft das Ziel von Tierquälern. Mit sehr viel Glück gelangen sie dann vielleicht doch noch in ein (ja sowieso schon überfülltes) Tierheim.

Aber viele der „unerwünschten“ Tiere schaffen es nicht, sondern verhungern,  gehen elendig an Krankheiten zugrunde oder werden getötet!

 

 

 

Straßenkatze / © TSV Bad Arolsen (N.H.)
Ein sehr großer Teil der in Tierheimen / -vereinen aufgenommenen Katzen ist verletzt oder krank.

Sie leiden an Katzenschnupfen, Parasiten und Er­krankungen wie FIV („Katzen-AIDS“), FIP oder FeLV („Leukose“). Die von ihren vielen Trächtigkeiten ausgezehrt­en Katzenmütter sind völlig am Ende und häufig nicht mehr in der Lage, ihren Nachwuchs zu versorgen. Kater fallen oft dem Straßenverkehr zum Opfer, oder werden schwer verletzt aufgefunden. Eine Vielzahl der Katzen haben sich mit tödlichen Seuchen angesteckt und verlieren dadurch ihr Leben …

Der einzig humane Ausweg aus dieser Situation ist die rechtzeitige (!) Kastration von Freigängerkatzen!


Und doch hält sich noch immer hartnäckig die Meinung, dass eine Katze mindestens einmal in ihrem Leben Nachwuchs haben und man die Tiere „ihre Sexualität ausleben lassen“ solle …

Aber die Paarung bei Katzen ist alles andere als ein Spaß: Die Kätzin lässt sich während ihrer Rolligkeit für ca. 10 Sekunden begatten, während der Kater sich in ihrem Nacken festbeißt. Da der Penis des Katers mit einem Widerhaken ausgestattet ist, verursacht dieser beim Zurückziehen einen heftigen Schmerz. Dieser Schmerz löst den Eisprung aus und veranlasst die Kätzin, sich heftig zu wehren, indem sie den Kater kratzt und beißt.
Beim Deckakt gibt es also jede Menge Möglichkeiten, dass sich die Tiere Verletzungen zufügen bzw. sich gegenseitig mit lebensbedrohlichen Krankheiten infizieren.


Ein weiterer Grund, sein Tier nicht kastrieren zu lassen, ist oft der Wunsch des Tierbesitzers, einen Abkömmling von der eigenen Katze haben zu wollen
, weil diese Katze ja besonders hübsch oder charakterlich besonders geeignet sei oder Ähnliches.

Das Problem daran ist, das eine Kätzin meist von mehreren Katern gedeckt wird und sie nur selten einen einzigen Welpen bekommt – meist sind es im Durchschnitt zwischen 2 und 6 Welpen! Und keines dieser Welpen wird genau wie das Muttertier, denn die Gene des (ja oft unbekannten) Vaters spielen natürlich auch eine große Rolle …
Selbst, wenn man sich dann trotzdem entscheidet, einen dieser Welpen zu behalten, bleiben noch die anderen übrig. Diese Tiere dann wiederum gut unterzubringen ist meist sehr schwierig, da es eben schon massenweise Katzen gibt.

Davon einmal ganz abgesehen muss man sich auch im Klaren sein, das eine optimale Versorgung einer Mutter­katze und ihrer Welpen immer mit hohen Kosten und viel Zeit verbunden ist!

 

 

 

Was bedeutet nun eine „Kastration“?

 

Bei der Kätzin:

Bei der Kätzin werden bei der „Kastration“ die Eierstöcke und die Gebärmutter entfernt, wogegen bei der  „Sterilisation“ nur die Eileiter zu den Eierstöcken durchtrennt werden. Wird die Kätzin nur sterilisiert (d.h also die Gebärmutter wird nicht entfernt), wird die Kätzin weiterhin rollig – mit allen lästigen Begleiterscheinung­en. Dazu kommen Gefahren (z.B. „Kippfenster“), weil das Tier versucht, irgendwie nach draußen zu gelangen. Und es besteht ein erhöhtes Risiko einer eitrigen Gebärmutterentzündung!

Eine rollige Kätzin (Geschlechtsreife mit ca. 4-6 Monaten) ist immer einer großen hormonellen Belastung ausgesetzt, der nur durch eine Befruchtung oder durch die Kastration ein Ende gesetzt werden kann. Wird das Tier ausschließlich in der Wohnung gehalten und nicht gedeckt, kommt es zu einer Dauerrolligkeit.  Diese Dauer­rolligkeit ist eine enorme physische und psychische Belastung für die Kätzin (und ihren Besitzer)!

Ist diese Kätzin außerdem ein Freigänger und kommt auch während der Rolligkeit hinaus, besteht eine große Gefahr, sich durch den Deckakt mit tödlichen Krankheiten wie FIV („Katzen-AIDS“) oder FeLV („Leukose“) zu infizieren. Außerdem drohen ihr weitere Gefahren:  Unfälle im Straßenverkehr, schwere Verletzungen durch andere Katzen, Infektionen der Gebärmutter bis hin zu Aborten und Totgeburten der Welpen.

 

Beim Kater:

Beim Kater werden bei der Kastration die Hoden entfernt.

Verletzte Straßenkatze auf einem Auto / © panthermedia.net - Anna Yakimova
Unkastrierte Kater fangen – meist bei Einsetzen der Geschlechtsreife (mit ca. 4-6 Monaten) – an, mit sehr streng riechendem Urin zu markieren. Und das auch im Haus!
Dazu sind sie oft viele Kilometer und viele Tage (manchmal Wochen!) unterwegs, um eine Kätzin zu finden. Dabei sind sie einer Vielzahl von Gefahren ausgesetzt, wie z.B. Autounfällen oder Revierkämpfen mit anderen Katern, durch die sie sehr oft schwere Verletzungen erleiden und sich zusätzlich mit tödlichen Krankheiten wie FeLV („Leukose“) oder FIV („Katzen-AIDS“) infizieren können.

 

 

 

Die Vorteile einer Kastration:
  • keine Rolligkeit, keine Gebärmutter- bzw. stark verringertes Risiko einer Gesäugeerkrankung
  • kein übelriechendes Harnmarkieren
  • kein ungewollter Nachwuchs
  • weniger Kämpfe mit anderen Katzen
  • dadurch: deutlich geringeres Risiko, sich mit tödlichen Krankheiten zu infizieren
  • wesentlich kleinerer Bewegungs-Radius zum Zuhause des Tieres
  • im Durchschnitt doppelt so hohe Lebenserwartung

 

 

Bitte bedenken Sie:

Eine nicht kastrierte Katze lebt im Durchschnitt nur 1-5 Jahre, „produziert“ aber in dieser Zeit ca. 2-3 mal im Jahr jeweils 2-6 Welpen!

 

 

Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Kastrieren?

Einen optimalen Zeitpunkt gibt es nicht, aber man sollte eine Katze grundsätzlich ERST kastrieren lassen und ihr DANN Freigang gewähren! Katzen ab dem 4. oder 5. Monat kastrieren zu lassen ist sinnvoll und es gibt keine medizinischen Bedenken! Langzeitstudien haben bewiesen, dass frühzeitige Kastrationen kein­er­lei Einfluss auf das Wachstum oder den Charakter der Katzen haben. Das Wesen oder das Wachstum einer Katze ist ausschließlich genetisch bedingt!

 

 

Wir appellieren daher dringend an alle Katzenhalter:

Bitte lassen Sie ihre Katzen kastrieren!

Sie verhindern damit großes Tier-Elend und ihre Katze lebt gesünder und hat beste Chancen auf ein langes und glückliches Leben!

Lassen Sie ihre Katze außerdem kennzeichnen!

Dies geschieht z.B. durch eine Tätowierung im Ohr oder einem Mikrochip unter der Haut. Falls Ihr Tier einmal wegläuft oder im Falle eines Un­falls können Sie als Besitzer über die individuelle Nummer Ihres Tieres schnell ausfindig gemacht und benachrichtigt werden! Weitere Informationen dazu finden Sie bei der Tiersuch-Organisation „Tasso e.V.“

 

 

Weitere Infos, Meinungen und (Online-)Mitmach-Aktionen …

zum Thema Kastration / Kastrationspflicht finden Sie bei den verschiedenen Tierschutz-Organisationen:

 

 

 

Bildnachweis:
Kleine kranke Straßenkatze auf einem Tisch / © panthermedia.net – Alberto Rigamonti
Maunzende, kranke Straßenkatze / © panthermedia.net – Fedor Kondratenko
Straßenkatze / © TSV Bad Arolsen (N.H.)
Verletzte Straßenkatze auf einem Auto / © panthermedia.net – Anna Yakimova
Banner „Bündnis Pro Tier“ / © Tasso e.V. / VIER PFOTEN / bmt-Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.